7.
Vorlesung zu den Voraussetzungen der Entstehung philosophischen Denkens im antiken Griechenland

In der letzten Vorlesung versuchte ich, einen ersten Eindruck jener geistigen Entwicklung zu vermitteln, die im 6. Jahrhundert v. u. Z. einsetzte – in Griechenland, und zwar zuerst in Ionien, im reichen Milet an Kleinasiens Küste.

Was ist hier das Entscheidende? Der Neuansatz besteht darin, dass versucht wird, die Welt aus empirisch begründbaren natürlichen Zusammenhängen zu erklären, aus einem Urstoff oder Urelementen wie den Atomen – also im Gegensatz zur mythologischen Weltanschauung. An die Stelle göttlicher Kräfte treten natürliche. Homer noch lehrt, dass Okeanos Ursprung alles Seienden ist. Okeanos ist bei ihm Ozean, also Meer, aber auch Gott, ist Naturgewalt und Person, in der Naturgewalt sich äußernde Person übermenschlich-göttlicher Art. Thales, der erste der Philosophen, setzt an die Stelle des Okeanos als Person das Wasser als universelles Element. Er fragt nach dem Element, er denkt keine Person mehr. Hinter dem natürlichen Geschehen steht nun nicht mehr eine personale Kraft; diese Kraft ist ausschließlich die des Wassers.

In seiner „Metaphysik” führt Aristoteles aus: „Die Mehrzahl von denen, die zuerst philosophiert haben, glaubte, daß es Quellen für alle Dinge allein in Gestalt von Stoff gebe. Sie bezeichnen dasjenige als Element und Quelle des Seienden, aus dem alles Seiende besteht, aus dem es als dem Ersten entsteht und in das es als in das Letzte vergeht – indem das Wesen beharrt und sich nur in seinen Affektionen verändert. Darum nehmen sie an, daß nichts eigentlich entstehe und verderbe, da jene Natur immer erhalten bleibe.”1*) Im Folgenden kommt Aristoteles dann zur Darstellung der einzelnen Lehren.

Aristoteles’ Feststellung, dass jene Philosophen glaubten, dass es nur stoffliche Urgründe der Dinge gäbe, ist wesentlich. Sie charakterisiert diese Philosophen als Materialisten. Aristoteles selbst war das nicht. Er hielt einen unbewegten Beweger für den letzten und höchsten Grund, also eine geistige Kraft. Sein Urteil ist das Urteil eines Idealisten, dabei eines, der den Gegensatz zu den Materialisten gut erfasst hat.

Für die ersten Philosophen selbst stand nicht das Problem der Auseinandersetzung mit dem Idealismus als einer theoretischen Weltanschauung, die ein Geist-Prinzip als Anfang und Wesen des Seins annimmt. Für sie stand die Auseinandersetzung mit religiös-mythologischen Vorstellungen und Ideen, im besonderen die Frage, wie sich kontrollierbare Erfahrung – im Gegensatz zu Phantasiebildungen – verallgemeinern lasse.

Der Philosoph Anaxagoras, der erste Vertreter der ionischen Aufklärung in Athen (das gegenüber den ionischen und zum Teil den griechischen Städten in Italien rückständiger war), hatte um 430 einen Prozess wegen Gottlosigkeit. Er war ein Freund des Perikles, des klassischen Politikers der Athener Demokratie, und des Dichters Euripides. Anaxagoras lehrte, dass die Sonne eine glühende Gesteinsmasse sei. Die religiöse Anschauung aber sah in ihr einen Gott – Helios. Anaxagoras wurde verurteilt, wobei ihn Perikles’ Einfluss vor der Todesstrafe rettete. Er wurde verbannt. Das ist der erste bekannte Prozess gegen aufklärende wissenschaftliche bzw. philosophische Einsicht.

Entscheidend an Anaxagoras’ These vom Wesen der Sonne ist ihr denkerischer Ansatz: Die Sonne wird als ein natürliches Phänomen behandelt. Ihr tritt man nicht verehrend wie einem Gott gegenüber, sondern wie einem Gegenstand, dessen Natur durch Beobachtung und Nachdenken, durch Vergleich und Berechnung zu bestimmen sei. Hier wird also nicht mehr anthropomorphisiert, im Gegenteil: Es werden die objektiven, von menschlichen Wünschen, Bedürfnissen, von jeglichen emotionalen Beziehungen unabhängigen Eigenschaften verifiziert, ganz eben von der Sache geleitet – so sachbezogen, wie der Töpfer die Eigenschaften seines Tons beurteilt, der Baumeister die des von ihm verwandten Gesteins, wie der Schmied genau die Erze zu unterscheiden sucht und Zinn mit Kupfer im richtigen Verhältnis zu Bronze mischt [… (Handschriftliches nicht entziffert)].

Dieses sachlich-nüchterne Verhalten gegenüber den Gegenständen ist also keine Erfindung von Philosophen – und seien sie noch so genial. Zu einem solchen Verhalten sind die Menschen schon immer gezwungen gewesen, wo sie arbeiteten, produzierten. Kein Werkzeug entsteht durch Beschwörungen; vielmehr muss der Stein in genauer Kenntnis seiner Bearbeitungsfähigkeit geschlagen werden. Dass Ursache und Wirkung zusammenhängen, ist nicht zuerst durch bloße Beobachtungen eines Gelehrten, sondern dadurch begriffen worden, dass der praktisch handelnde Mensch, der mit seinem Tun selbst Ursache war, eine bestimmte zweckmäßige Wirkung erzeugte. Das Reich der Phantastik beginnt immer dort, wo die produktive Macht nicht hinreicht.

In der jahrtausendelang akkumulierten Erfahrung des Produzierens, in deren immer mehr spezialisiertem Betreiben, dem dabei angesammelten, sich vertiefenden Wissen hinsichtlich der Gegenstände, Instrumente und Abläufe, in dem sachlichen, den zu bearbeitenden Gegenstand in seiner Objektivität erfassenden Herangehen, sehen wir also eine Voraussetzung wissenschaftlich-materialistischen Philosophierens. Ohne sich dessen als einer besonderen Leistung und Fähigkeit bewusst zu sein, betrieben dies die Menschen schon so lange, als sie produzierten.

Mit dem Produzieren ist ein sachlich-distanziertes Verhältnis des Subjekts zum Objekt gegeben. Die Subjekt-Objekt-Relation entstand selbst in der Arbeit. Der Produzent lernte hier, sich und seine subjektiven Kräfte genau vom Gegenstand seiner Tätigkeit und den objektiven Kräften, die er nutzte, zu unterscheiden. Er lernte es, zwischen seiner zweckhaften Zielvorstellung und dem vorgefundenen Material zu unterscheiden, auch den Verfahren zu unterscheiden, jenes gemäß seinen objektiven Eigenschaften methodisch so zu bearbeiten, dass das Resultat schließlich zu einer materiellen Verwirklichung seines Zweckgedankens werden konnte.

Worin besteht bei der Entwicklung philosophischen Denkens das Neue? Es besteht darin, dass dieses sachlich-materialistische Herangehen im Arbeitsprozess – der Intention, der Grundtendenz nach – nun auf die Wirklichkeit als Ganze bezogen wird. Der Bereich menschlicher Produktion, darüber hinaus die im Alltag gewonnene Erfahrung, lieferten hier ein Modell dafür, mit dem die Welt als Ganze konzipiert werden konnte, die Natur als Natur zu erfassen war, als eine aus eigenen, inneren, objektiven Zusammenhängen und Gesetzen sich bewegende Totalität.

Um es nochmals festzuhalten und weiter auszuführen: 1. Bei der Entstehung von Philosophie wurde eine weltanschauliche Verallgemeinerung getroffen, eine bestimmte Erfahrung aus dem produktionstechnisch beherrschten Lebensbereich allgemein gesetzt, aus dem Bekannten und schon Erkannten auf das Unbekannte geschlossen, vom Begrenzten auf das All, auf die Totalität dessen was ist. 2. Eine weltanschauliche Verallgemeinerung findet natürlich auch in der mythologischen Spekulation statt. Diese setzt nach Analogie wesentlich zwischenmenschlicher Prozesse und unbeherrschter, unerkannter Naturprozesse die Welt als Kräftespiel göttlicher Personen. Das Neue bei der philosophischen Verallgemeinerung besteht darin, dass sie von dem materiellen und geistigen Verhalten der Sachlichkeit und Objektivität ausgeht, das in der gesamten vorhergehenden Geschichte erworben wurde. Dieses Verhalten lässt sich auch als allgemeine Methode bezeichnen. 3. Diese allgemeine Beziehung zur Wirklichkeit, die wir als eine ideelle Beziehung Methode nennen, ist durch eine grundlegende Tendenz gekennzeichnet, und zwar die, Tatsachen von eingebildeten oder vermuteten, geglaubten Dingen zu unterscheiden und diese Tatsächlichkeit, Objektivität durch rationale Argumente und allgemein nachkontrollierbare Erfahrung zu begründen.

Dies bedeutet zum einen, dass Tradition, Satzung, Glaube und individuelle Offenbarung keine Argumente sind. Es bedeutet zum zweiten, dass die Kraft rationalen und empirischen Argumentierens zwingend ist und zwar allgemein, in Bezug auf alle Fragen. Und es heißt zum dritten, dass diese allgemeine Methode unter Voraussetzung von Vernunft und Erfahrung zur Entscheidung von wissenschaftlichen und weltanschaulichen Fragen in öffentlicher Diskussion führt. Darin drückt sich wiederum ein prinzipielles Vertrauen in die Erkenntnisfähigkeit und Einsicht jedes Menschen aus.

Mit dem Gesagten habe ich das Neue selbst verallgemeinert und zugespitzt. Aber es ist gerade diese allgemeine Methode, die mythologisches Geschichtenerzählen unmöglich macht. Sie lässt geheiligte Überlieferung zum Gegenstand kritischer Prüfung werden.

Ich zeigte, dass das weltanschaulich Neue in der Verallgemeinerung lag, der Verallgemeinerung dessen, was der Sache nach im produktiv-technischen Handeln geübt wurde. Hier entstand eine neue geistige Haltung, eine Wissenschaftshaltung. Damit diese aber tatsächlich zur Wissenschaft werden konnte, war es erforderlich, dass man das Erkennen systematisch-methodisch betrieb. Auf diesem Wege bildete sich eine besondere gesellschaftliche Tätigkeit heraus.

Allerdings: Damit diese Geisteshaltung tatsächlich Philosophie zu fundieren vermochte, müssen wir noch genauer erklären, wie und warum sie entstand. Aus dem Charakter der Arbeit allein lässt sich das nämlich nicht ableiten. Als sich das philosophische Denken im sechsten und fünften vorchristlichen Jahrhundert herausbildete, verfügten die Griechen keineswegs über ein umfangreicheres empirisches Tatsachenwissen als die Ägypter und Babylonier, die dies weitgehend schon seit Jahrtausenden akkumuliert hatten. Es war auch nicht die Produktionstechnik und das mit ihr permanent praktizierte Wissen der Produzenten – besonders das der qualifizierten Handwerker -, die eine solche Entwicklung bewirken konnten. Jene Kenntnisse bezogen sich eben auf das Produzieren selbst; sie wurden im Produktionsprozess gewonnen und in Regeln tradiert, wie man es macht. Das Wissen blieb in den Kreis der Produktionsbeziehung eingeschlossen. Es verträgt sich – sozialpsychologisch gesehen – sehr gut mit phantastischen religiösen Vorstellungen.

Das gilt ja bis in die Gegenwart. So werden in der Kirche heute noch Vorstellungen gepflegt, die auf der Grundlage gänzlich elementarer Naturbeherrschung entstanden sind – aber sie werden von Leuten gepredigt, die elektrisches Licht und Radio nutzen und die mit dem Flugzeug fliegen. – Oder gehen wir in der Geschichte zurück: Der große Bahnbrecher und eigentliche Klassiker der klassischen Physik, Isaac Newton, kommentierte gläubig die Offenbarung Johannis, obwohl sich sein Gravitationsgesetz der Sache nach eben nicht mit der Weltgerichtsvision des den Untergang des römischen Reiches beschwörenden christlich-jüdischen Schriftstellers vereinbaren lässt.

So war es im 7. bis 5. Jahrhundert v. u. Z. auch. Gewiss hatte man vieles seit Jahrtausenden real gewusst, aber es doch in eine Weltanschauung wilder Götterkämpfe und Naturdämonen eingegliedert. Als Thales das Wasser dann als Urstoff benannte, kannte er kein anderes Wasser, als was die gläubigen Griechen kannten und nutzten, die in des Meeres Stürmen den Zorn Poseidons fürchteten.

Wenn ich vorhin sagte, dass das Neue, um das es uns geht, der Sache nach im Bereich der Arbeit schon immer praktiziert, spontan praktiziert wurde, so muss eben bedacht werden, dass das Entscheidende nicht in einer produktionstechnischen Überlegenheit der Griechen gegenüber anderen Völkern liegt. Produktionstechniken glichen sich relativ schnell aus, und hier waren sie keineswegs am erfinderischsten. Ihre Produktionstechnik ist die, die im Raum des Vorderen Orients bis Ägypten galt.

Hierin besteht das Problem. Die Herausbildung der Philosophie lässt sich nicht historisch erklären, wenn man ausschließlich die Beziehungen der Menschen zur außermenschlichen Natur berücksichtigt. Diese sind ein zwar notwendiger, aber kein hinreichender Grund dafür. Es handelt sich dabei auch um einen sehr allgemeinen Erklärungsgrund, um einen, der auf die Griechen wie auf andere Völker zutrifft.

Wie sollen wir die Herausbildung des philosophischen Denkens aber nun begreifen?

Es gibt Erklärungen, die eine besondere Naturbegabung der Griechen für das theoretische Denken behaupten. Das Resultat wird hier also einfach auf eine Begabung zurückgeführt, auf etwas, das ich ohne das Resultat nie hätte feststellen können. Begabung ist etwas Angeborenes, von dem man nicht weiß, woher es kommt. Im Grunde ist das eine Erklärung, die das Unerklärte lediglich mit einem Wort zudeckt.

Es gibt andere idealistische Konzeptionen, die es als eine Art Eigenschaft des Geistes betrachten, vom Mythos zum Logos überzugehen – gemäß seiner inneren Logik. Die Methode, derer sich diese Konzepte bedienen, besteht darin, dass sie die Gedanken von den Denkenden trennen. Mythos und Logos erscheinen hier als selbständige Wesenheiten; dabei gehe letzterer aus ersterem hervor. Das erklärt nichts; kein Mythos geht in Logos über. Der Mythos wird vielmehr bei einem Einwirken neuer Ansätze und Quellen aufgelöst. Und das ist eben nicht aus dem Mythos selbst zu erklären. Entsprechende Geisteskonstruktionen helfen nicht weiter.

Nein, wir wollen hier nicht phantastische Gründe suchen, sondern fragen, warum die Menschen zu einer bestimmten Zeit anders anfingen über sich und die Welt nachzudenken, als sie es vorher getan hatten. Dabei sind die Menschen ja nicht bloß Subjekte von Erkenntnis, sondern physisch-gesellschaftlich-geschichtliche Wesen, die in vielfältigen Beziehungen zur außermenschlichen Natur und zueinander stehen. Sie denken in diesen praktischen Beziehungen bzw. von ihnen bestimmt, denken auch über diese Beziehungen nach.

Wenn ich sagte, dass sich in der ionischen Philosophie ein neues geistiges Verhältnis zur Wirklichkeit artikuliert, setzt das voraus, dass sich im wirklichen materiellen Verhalten etwas geändert haben muss. Und wir haben bereits gesehen, dass sich die Grundlage, der Kern des Verhältnisses innerhalb der Produktionssphäre entwickelt hat. Was aber war es, das dazu führte, dass diese doch begrenzte Erfahrung universell verallgemeinert und theoretisch so durchdrungen wurde, dass hier eine neue Methode wissenschaftlichen und weltanschaulichen Erkennens erwachsen konnte?

Wenn wir aber den Grund nicht in der Technik finden können, nicht in einer weitgehend abstrakt gesehenen Beziehung von Mensch und Natur, so muss er – das folgern wir zunächst einmal ganz allgemein – innerhalb der Beziehungen von Mensch und Mensch zu suchen sein, insbesondere dort, wo sich dem Mensch-Natur-Verhältnis analoge Erfahrungen und Beziehungen im gesellschaftlichen Raum abzeichnen. Die praktischen Verhaltensweisen und ideellen Beziehungen der Menschen zueinander erwachsen dabei aus bestimmten materiellen Verhältnissen. Sie vermitteln diese zugleich, sie reflektieren sie.

Als universelle Konzeptionen haben die philosophischen Theorien die gegenüber der Menschenwelt doch relativ konstante Natur zum Gegenstand, ebenso die Menschenwelt, die durchaus und allein in und mit dieser Natur zusammenhängt – weil, wie Marx es sagt, „die Natur”, deren Teil der Mensch ja ist, „mit sich selbst zusammenhängt”.2) Dabei entwickelt sich die Menschenwelt im Stoffwechsel mit der Natur, welcher wiederum durch die Beziehungen der Menschen untereinander organisiert ist. Die produktiven menschlichen Kräfte steigern sich in der Bearbeitung der Natur. Wenn nun eine neue, materialistische Betrachtung, eine Konzeption von der Welt als Ganze in Griechenland entwickelt wird, ist das nur möglich, weil offenkundig in diesen Beziehungen, im Verhältnis der produktiven Kräfte, der sozialen Produktionsverhältnisse sich etwas geändert hat.

Was aber konkret war es, was Menschen in ihrer gesellschaftlichen Praxis veranlasst hat, grundlegend neu zu denken? Warum entstanden ausgerechnet im griechischen Kleinasien, in den griechischen Städten Unteritaliens und Siziliens und dann in Athen und einigen anderen demokratischen Stadtstaaten solche wissenschaftlich-philosophischen Konzeptionen – aber nicht in Ägypten und Babylonien?

Wenn wir so fragen, wollen wir allerdings nicht vergessen, dass diese Entwicklung auf enge, gebildete Kreise der herrschenden Klasse beschränkt blieb. So hatten z. B. die Bauern mit der Philosophie sehr wenig zu tun; hier herrschten weitgehend die traditionellen religiösen Vorstellungen – und das in großen Bereichen auch noch bis in unsere Gegenwart.

An dieser Stelle ist es notwendig, noch einmal die Zivilisationsentwicklung früherer kultureller Zentren zu betrachten und dabei ein- bis zweitausend Jahre ins alte Mesopotamien zurückzugehen.

Hier hatten Bewässerung und Bronzetechnik ein außerordentlich hohes Mehrprodukt agrarischen Charakters erzeugt. Dies eignete sich die Sklavenhalteraristokratie an, besonders das Königtum und die Tempelwirtschaften. Da die Flussoasenkulturen wenig Baumaterial und keine Metalle besaßen, mussten diese entweder auf dem Wege des Handels oder der kriegerischen Expansion beschafft werden. Dazu diente das Mehrprodukt. Der Vordere Orient wurde von einem ganzen System von Handels- und Karawanenstraßen durchzogen. Der Handel mit Berg- und Küstenvölkern führte dann mehr und mehr zur Ausweitung der Zivilisation, damit zur Verbreitung von Sklaverei und Metalltechnik und zur Entstehung neuer Städte. Das waren zunächst Handelsniederlassungen, die sich dann zu Stadtstaaten bzw. zu mehrere Stadtgebiete umfassenden Staaten entwickelten. Besonders an der Mittelmeerküste kam es zur Entstehung von neuen Städten und Seehäfen. Diese Entwicklung übertrug sich bis nach Kreta, das im zweiten Jahrtausend zur führenden Seemacht wurde. Im vordorischen Griechenland fand die minoisch-mykenische Kultur Zentren in Städten wie Mykene, Burgstädten, deren König Oberpriester, Monopolist des Handels und der Bronzewaffen war. Kupfer erhielt Mesopotamien aus dem Iran, aus Armenien, Syrien, von der Halbinsel Sinai und aus Zypern. Zinn kam aus Iran und Syrien, Gold aus Armenien und Nubien. Silber und Blei fand man in Kappadokien.

In den Seehäfen entwickelte sich gegenüber den alten Zentren insofern eine neue Struktur, als für sie der Ackerbau eine geringere, die Bewässerung kaum eine Rolle spielte, Metallverarbeitung, Wollfärberei und Schiffsbau jedoch eine erheblich größere. Der Anteil der Warenproduktion, der Produktion für den Austausch, war höher als in den alten Zentren. Im Unterschied dazu entwickelten die Großstaaten einen wesentlich staatlich regulierten und betriebenen Außenhandel, während der Binnenhandel Naturalwirtschaft blieb. Dass der Mensch eine wesentliche Handelsware war, sei erwähnt, wenn die Sklaverei auch nicht die gesamte Produktion durchdrang, sondern sich in Tempel‑ und Königswerkstätten konzentrierte. Ansonsten war es wesentlich Haussklaverei.

Mit der Entwicklung von Handel und Warenproduktion entstand eine erste Form von Silbergeld, der Silberbarren, als eine Ware, die gegen alle anderen ausgetauscht und als Maß genutzt werden konnte, die zugleich als Mittel der Schatzbildung diente. Im Maße dieser Entwicklung auf der Grundlage zunehmender Produktivität erfolgte eine weitere handwerkliche Differenzierung und Arbeitsteilung, damit auch die Produktionsspezialisierung von ganzen Städten.

Diese Entwicklung war es also, die von den Zentren des Zweistromlandes und auch Ägyptens ausging und eine gleichmäßige Entwicklung im gesamten Vorderen Orient und der Ägäis stimulierte. Der Entwicklung im ägäischen Raum wollen wir uns nunmehr zuwenden.

Die späte Steinzeit im Zeitraum von etwa 3000 bis 2300 v. Chr. hatte hier ihre wichtigste Repräsentation in der sogenannten kykladischen Kultur gefunden. Die Bezeichnung ist darin begründet, dass diese – Schifffahrt und Fischfang voraussetzende – Kultur hauptsächlich auf der entsprechenden (quasi brückenbildenden) Inselgruppe des ägäischen Meeres beheimatet war. Sie war jedoch, von Kleinasien bis zum griechischen Festland und nach Kreta reichend, erheblich weiter verbreitet. Übrigens gehören auch die untersten Schichten Trojas dazu. Träger dieser Kultur dürften vorgriechische Stämme gewesen sein, deren Sprache nicht indogermanischen Charakters war. Sie wurden von den Griechen als Pelasger oder Karer bezeichnet.

Bei der kykladischen Kultur handelte es sich um dominant urgemeinschaftliche Verhältnisse, wobei es jedoch zu einem Beginn der Differenzierung im sozialen Gefüge und des Privateigentums kam – sogar mit der Zuspitzung dessen im Gegensatz von Palastbauten und einfachen Häusern. Hier fand auch eine erste Bronze‑ und Goldbearbeitung statt.

Im zweiten Jahrtausend herrschte dann die Bronzezeit, wobei Kreta zum führenden Zentrum wurde. Ein halbes Jahrtausend vor dem festländischen Griechenland entwickelte sich hier die Klassengesellschaft, mit riesigen Palastbauten, besonders in Knossos. Kreta besaß eine Palastwirtschaft, ein hochentwickeltes Handwerk und eine Schrift. Es war Zentrum von Handel und Seefahrt, ja die seefahrende Macht des Mittelmeeres. Hier war das Zentrum der Verbindung von orientalischen, mittelmeerischen, auch ägyptischen Einflüssen. Kretas Kunst, die sowohl riesige Baumassen zu organisieren vermochte als auch die zarteste Anmut tänzerisch-malerischer Gestaltung hervorbrachte, war zu ihrer Zeit führend.

Kreta wirkte auf das kontinentale Griechenland, besonders nachdem eine Anzahl von Staaten unter der Herrschaft von Knossos vereinigt wurde. Insgesamt war es auf der Insel zu einer erstaunlichen Entwicklung von hoher staatlicher Organisiertheit, von Arbeitsteilung, von Produktions- und Handelsentwicklung gekommen – wo vom bürokratisch operierenden Priesterkönigtum beherrscht, dennoch mit freieren Verhältnissen als in Mesopotamien.

Doch setzte bereits im dritten Jahrtausend, im Zeitraum zwischen 2200 und 2000 v. u. Z., eine neue Entwicklung an: Es kam zur Einwanderung der Hellenen in die Ägäis und zur Eroberung des Peloponnes durch die Achäer. Als Erben kretischer Herrschaft und Kultur entwickelten sich die Achäer am schnellsten und beendeten ihre Eroberung um 1700. Das war eine Völkerbewegung – dem Anfang des Hethitersturms vergleichbar.

Die Achäer wurden Träger des mykenischen Reiches; sie eroberten selbst Knossos und verbanden sich mit der kretischen Kultur. In den Zentren des Reiches – Mykene, Theben, Tiryns etc. – entwickelte sich ein sklavenhalterisches Priesterkönigtum auf der Grundlage in Abhängigkeit geratener Stämme bzw. in Abhängigkeitsbedingungen gewandelter Stammesorganisation. Dabei wurden deren urgemeinschaftliche Verhältnisse vollständig aufgelöst. – Der trojanische Krieg, von dem Homer singt, illustriert, durchaus historisch begründet, die kriegerische Expansionsweise, vermutlich den Krieg gegen das Hethiterreich.

Dieses ägäisch-mykenische Reich fiel im 12. Jahrhundert. Noch um 1450 hatten Häuptlinge des Festlandes Kreta erobert und in das mykenische Reich eingliedert. Jetzt wurde dieses Reich von einem neuen Völkersturm, der die ganze Ägäis bis zum Nildelta, vom Balkan- und Schwarzmeerraum her überflutete, zerstört.

In Stagnation war es schon vorher geraten. Das wird deutlicher, wenn wir uns Mykene anschauen: eine Zitadelle, die Palast, Schatzkammer und Wohnung des Adels umfasste. Davor, unbefestigt, die Ansiedlung von Handwerkern, auch Händlern. Um sie herum befanden sich eingewanderte Stämme. Die Sklaven hatten keinerlei Interesse, ihre Herren zu verteidigen.

In den Händen der herrschenden Schicht lag das Bronzemonopol. Die Krieger waren Virtuosen hochspezialisierter Bewaffnung. Die militärisch-kulturellen Zentren waren Zwingburgen über den ackerbauenden Stämmen.

Als die dorischen Stämme von Thessalien her den Peloponnes erstürmten, hatten sie Eisenwaffen, die härter als Bronze waren. Sie befanden sich in den Händen der gesamten Gentilgemeinschaft, die noch nicht in Klassengegensätze aufgespalten war. Der Barbarensturm beendete mit der Zerstörung der Zwingburgen die stagnative mykenische Herrenkultur.

Vermutlich wurde die Eisenverhüttung in Armenien entdeckt. Sie verbreitete sich am Ende des zweiten Jahrtausends schnell im Vorderen Orient.

Das Eisen ist schwerer zu bearbeiten als Bronze; es verlangt eine höhere Schmelztemperatur. Nachdem man diese erreichen konnte, kam es, da Eisen nicht selten vorkommt, zu seiner weiten Verbreitung. Bronze diente für Waffen, Schmuck und spezielle teure Werkzeuge. Eisen ließ die Werkzeuge dann insgesamt metallen werden. Erst jetzt wurden Steinwerkzeuge aus dem Ackerbau verdrängt. Man nutzte eiserne Hämmer, Äxte, Sicheln und vor allem Pflugscharen, wodurch sich die landwirtschaftliche Produktivität außerordentlich erhöhte. Das wiederum bedingte eine Intensivierung des Handwerks sowie einen zunehmenden Austausch. Handwerksprodukte wurden – gegenüber ihrem Luxuscharakter in der Bronzezeit – allgemein. Die erheblich beschleunigte Stein‑ und Holzbearbeitung waren im Haus‑ und im Schiffsbau von besonderer Bedeutung.

In diesem Zeitraum trieben die inneren Widersprüche im Vorderen Orient zu immer erneuter Expansion, jetzt mit erweiterten militärischen Mitteln, den Eisenwaffen. Die Eroberungen wurden vor allem durch die Reiterei vorangetrieben. Die Krise der orientalischen Sklavenhalterordnung führte zu einem Doppelten: zum einen zu der Tendenz militärisch-gewaltsamer Großreichbildungen mit dem neuen Ziel, den ganzen Vorderen Orient zu einem Reich zu verschmelzen, zum anderen zur Gründung zahlreicher kleiner und größerer Staaten und Stadtstaaten an der Peripherie, der Küste etc. Diese mussten sich, meist mit sesshaft gewordenen Nomaden gefüllt, gegen die Großreiche, gegen weiter nachdrängende Stämme und Konkurrenten in ständigen Kämpfen behaupten. Dank der gestiegenen Produktivität vermochten sie das auch oft.

In den im Laufe mehrerer Jahrtausende entstandenen Großreichen in diesem Kulturraum – Assyrien, Ägypten, neubabylonisches Reich, Persien und mazedonisches Reich von Alexander dem Großen – war die soziale Grundstruktur stets die gleiche geblieben. Es waren große Einheiten, die aber als Vielvölkerstaaten immer wieder aufgrund ihrer inneren Widersprüche und der äußeren Konkurrenz gefährdet waren bzw. zerbrachen – umso mehr, als der Gegensatz und Kampf zwischen den Reichen des Vorderen Orients und Ägyptens um Palästina und Syrien diese in den Strudel zu reißen drohte. Gleichzeitig boten diese Auseinandersetzungen aber auch Chancen der Bewahrung.

Die Expansionsbestrebungen in der Zeit des frühen Gebrauchs von Eisenwaffen begünstigten die Herausbildung einer militärisch-bürokratischen Oberschicht (neben der Tempelaristokratie) sowie einer stärker werdenden Kaufmannsklasse. Die Gesamtheit der neuen Bedingungen ermöglichte dann in der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends die Herausbildung des ersten Handelsvolkes, der Phönizier. Die soziale Differenzierung hat sich insgesamt außerordentlich verstärkt: Es kam zu einer Ausweitung der Sklaverei, auch zum Handel mit Menschenware, zu einer größeren Differenzierung der Freien und zur Einbeziehung immer neuer urgemeinschaftlicher Stämme in den Sog der Klassengesellschaft. Wir finden die ersten großen Sklavenaufstände – so in Phönizien im 9. vorchristlichen Jahrhundert.

Vor diesem Hintergrund entwickelten sich die griechischen Siedlungen der Stämme zu Städten und Stadtstaaten. Dies geschah sowohl im festländischen Griechenland als auch in den kleinasiatischen Pflanzstädten, deren Grundlage schon im Verlauf der dorischen Wanderung, mit dem Ausweichen der Ionier gelegt wurde.

Die Dorer hatten auch schließlich Kreta betreten. In Homers „Odyssee” finden wir eine schöne Beschreibung der Insel:
„Kreta ist ein Land inmitten des purpurnen Meeres,
Fruchtbar und schön und ringsumströmt. Es leben dort viele
Menschen, ja ungezählt, und neunzig Städte sind drinnen.
Allerlei Sprachen sind dort gemischt: hier hausen Achaier,
Dort die Urbewohner voll Stolz, dort wieder Kikonen,
Dorier auch, dreistämmig, und schließlich erlauchte Pelasger.
Unter den Städten ragte das hohe Knossos, das Minos
Immer neun Jahre lang als Zeus’ Vertrauter beherrschte.”3)

Homers Schilderung entstammt wohl dem 8. Jahrhundert, ist also ca. 300 Jahre nach der dorischen Eroberung entstanden. Er dichtete im ionischen Raum. Homers Heimatstadt scheint Smyrna gewesen zu sein, und seine Tätigkeit als Dichtersänger wird von Milet und Chios berichtet, der Insel vor allem. Die zitierten Verse schildern ein Kreta, dessen große Zeit vergangen war, das nach der achäischen (mykenischen) die dorische Eroberung erfahren hatte. Wenn auch nicht mehr das Zentrum schlechthin, war es aber doch ein Zentrum für Handel und Schifffahrt.

Wovon kündet Homer da? Er berichtet – bei aller Vermischung – vom Nebeneinander verschiedener Völkerstämme und Sprachen. In diesem Nebeneinander finden wir sogar sogenannte „Urbewohner”. Bei Diodor werden sie Eteokreter genannt, und ihnen wird die Entdeckung der Metallkunst zugeschrieben. In Wirklichkeit mag das eine bloße Sage sein, aber eine autochthone Entwicklung des Übergangs zu Bronze und Eisen ist nicht ausgeschlossen, zumal man entsprechende Funde aus Zeiten unterentwickelter Seefahrt kennt. Die Pelasger waren, wie bereits dargelegt, Ureinwohner Griechenlands. Die Kikonen lebten im Nordwesten Kretas. Daneben findet man nun Achaier, Abkömmlinge des führenden Stammes der mykenischen Kultur, und schließlich die wohl einige hundert Jahre später gekommenen Dorer. Kreta war in dieser Zeit auf dem Wege eines Wiederaufstiegs – nach den Eroberungen, dem Erdbeben um 1700 und der Flutkatastrophe im 17. oder 16. Jahrhundert. Um 700 v. u. Z. gab es auf Kreta eine besondere Blüte durch Produktionshöhe und Orienthandel.

[gestrichen:] In den ionischen Siedlungen berührte sich das Neue griechischer Gesellschaft mit der ganzen Tradition und Vorgeschichte asiatischer Hochkultur. Erst die Verbindung beider, die Auswertung und Verarbeitung dieses Erbes, ja dessen Transformation in Zeiten außerordentlich weiträumiger Kommunikation schuf die spezifisch neuen Entwicklungsbedingungen.

Es ist ähnlich wie beim Zerfall des römischen Reiches: Erst der neue Impuls barbarischer Kräfte mit ihrer Gentilgenossenschaft führte aus der Sackgasse der versteinerten, doch verfallenden Sklavenhalterordnung heraus. Hier kamen unverbrauchte, noch urgemeinschaftlich organisierte Stämme; diese traten das Erbe vieltausendjähriger Klassengesellschaft an. Sie entwickelten nun Produktivkräfte mit höherer Produktivität, mit anderen, durch das Eisen bestimmten Ergebnissen. Auch der individuelle Landbesitz ermöglichte jetzt eine viel größere Produktivitätsentfaltung. – Die Gentilbindungen besaßen entsprechend erheblich mehr Stabilität als jene der Klassengesellschaft. […]

Nach den mykenischen Anfängen und einigen hundert Jahren der Festigung kam es vor allem im 8. vorchristlichen Jahrhundert erneut zur griechischen Kolonisation Kleinasiens. Die dortigen günstigen Produktionsbedingungen schufen einen Vorsprung vor den Balkangriechen. Von da an kam es zu einer schnellen Entwicklung der Produktivität in Ackerbau. Auch andere Bereiche schlossen sich an. Öl und Wein, Viehzucht und Handwerk, Übergang zu Eisen- und Kupferbergbau, Produktion von Waren und entsprechender Handel als Seehandel.

Die Besonderheit der griechischen Entwicklung liegt zunächst darin, dass hier eine halb barbarische Bevölkerung das Erbe einer Jahrtausende alten asiatischen Kultur antritt, sich diese in einem schnellen Lernprozess produktiv aneignet und dann auf der Grundlage größerer Selbständigkeit der Mitglieder der Stammesgemeinschaft, bedingt durch die Funktion der kleinen Bauern als Soldaten und den Einsatz der eisernen Waffen, in kurzer Zeit den Übergang von der Urgesellschaft mit ihrem Gemeineigentum zur Klassengesellschaft und zum Privateigentum vollzieht. Dies geschieht auf der Grundlage der intensivsten Durchsetzung der Warenproduktion in der bisherigen Geschichte. Am frühsten gelingt das in den ionischen Städten Kleinasiens, klassisch rein und am besten erforscht in Athen.

In „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats” bemerkt Friedrich Engels: „Wie rasch…nach dem Entstehn des Austausches zwischen einzelnen und mit der Verwandlung der Produkte in Waren, das Produkt seine Herrschaft über den Produzenten geltend macht, das sollten die Athener erfahren. Mit der Warenproduktion kam die Bebauung des Bodens durch einzelne für eigene Rechnung, damit bald das Grundeigentum einzelner. Es kam ferner das Geld, die allgemeine Ware, gegen die alle anderen austauschbar waren; aber indem die Menschen das Geld erfanden, dachten sie nicht daran, daß sie damit wieder eine neue gesellschaftliche Macht schufen, die Eine allgemeine Macht, vor der die ganze Gesellschaft sich beugen mußte. Und diese neue, ohne Wissen und Willen ihrer eigenen Erzeuger plötzlich emporgesprungne Macht war es, die, in der ganzen Brutalität ihrer Jugendlichkeit, ihre Herrschaft den Athenern zu fühlen gab.”4

Das war das soziale Ergebnis des Endes der Gentilgesellschaft: Ausgehend von der wesentlich demokratischen Urgemeinschaft, die keinen Staat kannte, organisierte sich diese Gesellschaft nach einer langen Periode von Klassenkämpfen in der fortschrittlichsten Form der Gesellschaft von Sklavenhaltern, der Sklavenhalterdemokratie. Die scheinbare Rückkehr zu alter demokratischer Gleichheit hatte dabei einen total entgegengesetzten Gehalt. An die Stelle des kollektiven Eigentums war das Privateigentum getreten, an die des Stammes der Stadtstaat, an die der Gemeinschaft der Klassenantagonismus zwischen Sklaven und Freien wie auch innerhalb der Freien.

Es war gerade die Warenproduktion, die sich in und durch Sklaverei mehr und mehr entfaltete – und dabei die Sklaverei bis zur allgemeinen Grundlage der Produktion vorantrieb -, die durch diese Entwicklung dann auch die Fessel schmiedete, die zur Stagnation der Produktivkräfte und zum gesellschaftlichen Verfall führen musste. Das hängt eben damit zusammen, dass praktische Arbeit zur Sklavensache geworden war, Sklaven aber an ihr kein produktives Interesse nehmen konnten. –

Wenn wir auf unsere Ausgangsfrage blicken, welche realen sozialen Prozesse die Entstehung philosophischen Denkens im 5. Jahrhundert v. u. Z. in Griechenland ermöglichten, so erscheinen zunächst folgende Knotenpunkte der Erklärung: die Eisenzeit, die Einheit von Warenproduktion, Handel und Geldwesen, die Sklavenhalterhaltergesellschaft und die Stadtstaatsdemokratie. Ob diese Voraussetzungen ausreichend sind und in welchem Sinne hier ökonomische und politische Prozesse geistige Prozesse erklären, werden wir uns noch genauer anschauen. Bevor ich jedoch auf diese und andere Aspekte eingehen kann, muss ich noch weiter die allgemeine geschichtliche Entwicklung skizzieren.

Die Geschichte der griechischen Stämme nach der dorischen Wanderung ist in den Anfängen nicht sehr durchsichtig. Diese Wanderung war ein sehr komplexer Prozess der Verdrängung, Überlagerung, z. T. – wie im Falle Spartas – kastenartiger Versklavung. Teilweise blieben auch bestimmte Bereiche – wie Attika – in ihrer Selbständigkeit erhalten. Indem griechische Wanderungszüge nach Kleinasien gingen, kam es auch zu einer ersten Kolonisationsbewegung. Neu erschienene Stämme lebten nun nebeneinander mit alten, verdrängten.

Bis zum 8. Jahrhundert sprechen wir von der homerischen Periode. Bei den von der dorischen Wanderung ausgelösten Veränderungen ergab sich zunächst ein Neuanfang auf niederer Stufe. Die große mykenische Verwaltungsorganisation war zerbrochen, zerstört mit den Zwingburgen. Es dominierten nun Ackerbau und Viehzucht. Die Stämme waren in Gentilorganisationen, in sog. Phratrien aufgeteilt, die, auf Blutsverwandtschaft gründend, den Boden ursprünglich gemeinsam besaßen. Doch schon bald bildete sich ein Adel aus den Sippen der Clanführer heraus. Das geschah in Gestalt des Königtums, eigentlich demokratisch gewählter Funktionäre, die dann aber einen Erbadel konstituierten. Das Königtum selbst war relativ schwach.

Der Adel war die herrschende Schicht und entwickelte sich zunächst zum Virtuosen des Krieges. Er allein konnte sich, auf der Grundlage allmählicher Aneignung von Gemeindeland, Kampfwagen leisten. Die homerischen Epen schildern plastisch, wie Krieg und Raub hier an die Stelle des Handels traten bzw. mit diesem verschwistert waren.

Die eigentliche Produktion war hingegen noch agrarisch, dabei zunächst auf den eigenen Bedarf orientiert. Hierbei rissen alte Handelsverbindungen ab, was der Selbständigkeit der griechischen Entwicklung zugute kam.

Es war also zu einer sukzessiven Auflösung der urgesellschaftlichen Organisation durch die Herausbildung eines erblichen Großgrundbesitzeradels aus den Clanhäuptern gekommen. Deren Sippen eigneten sich allmählich den Boden an, was die kleineren Stammesgenossen, die Bauern, in eine zunehmende Abhängigkeit brachte. Der Adel verdrängte dann mit der Zeit auch das Königtum.

Von der Mitte des 8. Jahrhunderts an sprechen wir von der zweiten Kolonisation. Ausgangspunkt waren eine – gemessen an der unzureichenden Produktivität bestehende – Übervölkerung sowie die inneren politisch-sozialen Kämpfe der allmählich sich festigenden Stadtstaaten. Weiterhin war für diese Zeit charakteristisch: eine zunehmende Produktivität durch die stärkere Durchsetzung des Eisens in der Werkzeugproduktion, der Übergang zur Herstellung von Wein und Olivenöl, die Entwicklung des Handwerks und damit auch des Handels. Ja, es kam zum Übergang zu einer Produktion für den Austausch, der seinerseits im 7. Jahrhundert durch das aus Lydien bzw. Phrygien gekommene geprägte Münzgeld forciert wurde. – Geld: Das ist eines Ware wie andere auch, dabei aber eben die Ware, die gegen alle anderen ausgetauscht werden kann. Deshalb figuriert sie als Wertmaß und Schatzbildner.

In diesem Prozess begann der grundbesitzende Adel Sklavenarbeit zu nutzen, während die vereinzelten Bauern leicht in Abhängigkeit und Verschuldung kamen, was Schuldsklaverei nach sich ziehen konnte. Diese zur Warenproduktion übergegangene Adelsherrschaft führte zur härtesten Unterdrückung. Darauf konzentrierte sich dann der Ansturm sowohl der erstarkenden Kaufmannsklasse als auch der der Handwerker wie der Massen der Bauern.

Das 7. Jahrhundert ist ein Jahrhundert der Kolonisation. Die Griechen gründeten bald zu hoher Blüte kommende Handelsstädte; z. T. entfalteten sich auch die in der ersten Kolonisation gebildeten. So erstreckte sich bald ein Netz griechischer Städte an den Küsten der Ägäis, in besonderem Maße auch in Unteritalien und Sizilien (Cumae, Syrakus), auch in Gallien (Massilia). Die Kette der Städte zog sich über die griechischen Küsten zu denen des Marmarameeres und des Schwarzen Meeres bis an die Don-Mündung. – Wer von Ihnen z.B. einmal ins rumänische Konstanza kommt, kann genau sehen, wie bei den Straßenarbeiten erst auf eine Schicht aus römischer Zeit gestoßen wurde, unter der die griechische lagert. Die schönen Relikte bewahrt das dortige Museum.

Es entwickelte sich ein Wechselspiel von wachsender Produktion, von Handel, auch von sich verselbständigendem Zwischenhandel sowie von Bedarf an agrarischen Produkten für die Stadtbevölkerung, auch an Rohstoffen, Metallen und schließlich an Sklaven. Mit der zunehmenden Verstädterung, der Erstarkung von Handwerkern und Kaufleuten, der Empörung der Bauern gegen die Schuldsklaverei vollzog sich ein sozialpolitischer Umsturz. Das geschah umso mehr, als im 7. Jahrhundert in den kriegerischen Kämpfen an die Stelle adliger Einzelkämpfer zunehmend die schwerbewaffnete Phalanx trat, wodurch die Bauern erneut militärisch an Gewicht gewannen. Es nahm auch deshalb stark zu, weil die griechischen Städte und Stämme in ständigen Konkurrenzkämpfen von unerhörter Grausamkeit miteinander lagern.

Die Sklaven wurden ja nicht nur von Barbaren gekauft oder von diesen gefangen; sie wurden auch in der Nachbarstadt besorgt. Der soziale Umsturz führte zur politischen und z. T. ökonomischen Entmachtung des Adels, zum Aufstieg der Kaufmannsklasse, der Industriellen, der Finanziers, der großen Sklavenmassenbesitzer, die diese dann vermieteten, sowie eben auch im gewissen Maße der Bauern, nach erzwungener Entschuldung und deren Übergang zum Sklavenhalten. Allgemeinste politische Form infolge des Umsturzes war die Tyrannis, die zunächst auf demokratischer Unterstützung basierte. Sie wurde in den ionisch-attischen Bereichen im 6. Jahrhundert in der Regel dann allerdings selbst gestürzt. An ihre Stelle trat die Demokratie der Freien als fortschrittlichste Form.

So liegt der Umschlag in dieser wirtschaftlichen Expansion im 7. und 6. Jahrhundert: Aus der bäuerlich-agrarischen Gentilgesellschaft war eine städtisch zentrierte, auf Warenproduktion beruhende, Handel und Handwerk entwickelnde Sklavenhaltergesellschaft geworden.

Unsere ursprüngliche Frage war: Was hat die Herausbildung des philosophischen wissenschaftlichen und materialistischen Denkens in Griechenland bewirkt? Ich habe versucht, an deren Beantwortung zunächst so heranzukommen, dass ich eine Kurzskizze der griechischen Entwicklungsgeschichte vom 11. bis zum 6. Jahrhundert gegeben habe, der Geschichte der Auflösung der urkommunistischen Gentilgesellschaft und des Übergangs zur Klassengesellschaft – dies in Wechselbeziehung mit den schon Jahrtausende alten Kulturen des Vorderen Orients, auch auf deren Trümmern. Ich habe die Klassenfronten angedeutet, die sich im Gegensatz von Adelsoligarchie, die sich aus den Clanhäuptlingen gebildet hatte, und Demokratie, die sich wesentlich auf die neu entstandene Kaufmannschaft, auf Handwerker und Bauern als politische Bewegung stützte, bewegten. In den fortgeschrittensten Stadtstaaten Inoniens und Griechenlands hatte der Kampf der Klassen zur Sklavenhalterdemokratie geführt.

Die alte Gentilgesellschaft war als politische Struktur stattdessen aus Verhältnissen ohne innere soziale Gegensätze erwachsen. Sie hatte keine Zwangsmittel außer der öffentlichen Meinung.

Zu dem Sklavenhalterstaat, der sich aus Verhältnissen des Privateigentums entwickelt hatte, schreibt Friedrich Engels: „Hier…war eine Gesellschaft entstanden, die kraft ihrer sämtlicher ökonomischer Lebensbedingungen sich in Freie und Sklaven, in ausbeutende Reiche und ausgebeutete Arme hatte spalten müssen, eine Gesellschaft, die diese Gegensätze nicht nur nicht wieder versöhnen konnte, sondern sie immer mehr auf die Spitze treiben musste. Eine solche Gesellschaft konnte nur bestehen entweder im fortwährenden offnen Kampf dieser Klassen gegeneinander oder aber unter der Herrschaft einer dritten Macht, die, scheinbar über den widerstreitenden Klassen stehend, ihren offnen Konflikt niederdrückte… Die Gentilverfassung hatte ausgelebt. Sie war gesprengt durch die Teilung der Arbeit, und ihr Ergebnis, die Spaltung der Gesellschaft in Klassen. Sie wurde ersetzt durch den Staat.”5)

Was kennzeichnet nun diese neue, staatliche Ordnung? Das ist 1. die Einteilung der Menschen nach dem Gebiet – im Gegensatz zur alten Clanordnung blutsverwandtschaftlicher Beziehungen und 2. die Einrichtung einer öffentlichen Gewalt, die nicht mehr mit der sich selbst als bewaffnete Macht organisierenden Bevölkerung zusammenfällt. Nach der Klassenteilung ist das nicht mehr möglich. Das Heer der freien Athener ist deshalb zugleich Gewalt gegenüber den Sklaven. Und es ist 3. die Tatsache, dass der Staat eine ökonomische Gewalt darstellt. Er bedarf somit ständiger Einnahmequellen. Mit dem Staat entstehen Steuern und Staatsschulden.

Die Besonderheit Attikas besteht u. a. darin, dass es nicht von den Dorern erobert wurde, dass sich der dorische Stamm folglich nicht wie in Sparta über die zu Sklaven, Rechtlosen, zu Heloten gemachten Ansässigen legte und eine permanente Militärdiktatur errichtete. Die Entwicklung in Attika vollzog sich hingegen wesentlich auf Grund der inneren Triebkräfte dieser Gesellschaft und ihrer Lebensbedingungen.

Die Überlieferung dieser Region führt in die mykenische Zeit zurück. Kulte weiblicher Gottheiten, so der Athene, gründen sogar in der vorhellenischen Phase der Erdkulte der Großen Muttergöttin.

Attika wurde zunächst von einem Bund loser Stammesgemeinden bewohnt. Deren Clanälteste stiegen allmählich zu einer herrschenden Adelsklasse auf. Sie eigneten sich den besten Boden an und entmachteten das alte Königtum, das sich ausschließlich als Funktion des Stammes und nicht zur selbständigen Gewalt entwickelt hatte und recht schwach war. Zu Beginn des 7. Jahrhunderts waren davon lediglich eine priesterliche Funktion und der Vorsitz im Rat des Clanadels übriggeblieben.

Mit der Bodenaneignung durch den Adel wurde das urkommunistische Gemeineigentum aufgelöst. Er ging dann allmählich zur Warenproduktion mittels Sklaven in der Landwirtschaft über. Das war auch insofern bedeutsam, als Attika nach dem Zerfall des griechischen Mittelmeerhandels infolge der dorischen Wanderung doch noch relativ starke Handelsbeziehungen besaß.

Die Gentilgesellschaft, die sich innerhalb eines mehrhundertjährigen Prozesses weitgehend aufgelöst hatte, blieb nur als leere Form eines neuen Inhalts bestehen. Die Herrschaft lag jetzt in der Hand der Bodenaristokratie, die dabei ihre Herrschaft durch das aus der Urgesellschaft stammende Privileg der religiösen Clankulte festigte.

Gegen Ende des 7. Jahrhunderts war es den attischen Grundbesitzern gelungen, ihre Bauern in einen Zustand permanenter Fron, der Leibeigenschaft und schlimmer herabzudrücken. Dabei unterdrückten sie eben nicht militärisch unterworfene Stämme, sondern die eigenen Stammesgenossen. Die uralte Tradition der Freiheit, das mit dieser verbundene Selbstbewusstsein, riefen dabei, bestärkt durch die eiserne Bewaffnung und trotz der bestehenden religiösen Regulierung der Gemüter, eine wachsende Empörung hervor.

Der Druck war ungeheuer. Am Anfang des 6. Jahrhunderts konnte ein Bauer nur noch ein Sechstel seines Ertrags behalten. Geld wurde in der neu aufkommenden Geldwirtschaft zu fünfzig Prozent Zinsen verliehen. Der Verkauf der Kinder und Schuldsklaverei waren für die Ärmeren oft die ultima ratio. Viele wanderten aus, ja flohen – dies ist ein wesentlicher Aspekt der Kolonisationsbewegung.

Die Verschärfung der Ausbeutung war Ergebnis der entstandenen Geldwirtschaft, auch der Handelsentwicklung, des Aufkommens einer Schicht neureicher Kaufleute und Handwerker. Die drohende Gefahr eines massiven gewaltsamen Widerstandes zwang die herrschende Clangruppe jedoch am Anfang des 6. Jahrhunderts zu Reformen. Der grundbesitzende Adel vereinigte sich hier zunächst mit den großen Kaufleuten; er wurde – zutreffender gesagt – von diesen zu einer Anerkennung ihrer Interessen gezwungen. In Solon, einem Mitglied der adligen Eupatriden, der herrschenden, die politischen Ämter monopolisierenden Kaste, fand man einen Diktatur, der zugleich Händler war.

Die berühmten solonischen Reformen stellten einen ersten Schritt der Befriedung dar. Ihre Ergebnisse waren: 1. Eine Milderung der Lage der Bauern durch deren Entschuldung und das Verbot der Schuldsklaverei. Es kam aber zu keiner Änderung der agrarischen Verhältnisse, so dass die Bodenenteignung weiterging. Dies lieferte der Stadt Athen Arbeitskräfte. 2. Im Sinne der Förderung von Handel und Handwerk wurden die Kornausfuhr verboten und der Preis für das Getreide gesenkt, eine spezifisch athenische Münzprägung veranlasst und die attischen Silberbergwerke als künftige Grundlage des athenischen Reichtums systematisch ausgebeutet. Damit eben betrieb Solon eindeutig Reformen, die auf die neuen handeltreibenden und handwerklichen Schichten ausgerichtet waren. 3. Wesentlich sind folgende Änderungen im politischen System: die Wiederbelebung der alten Volksversammlung mit dem Recht der Wahl von politischen Amtsträgern aus den herrschenden Kreisen und mit bestimmten Funktionen der Rechtsprechung sowie – was noch wichtiger war – die Gründung eines Rats der Vierhundert. In ihm konzentrierte sich die Macht. Man kam in diesen Rat aufgrund der Größe des Eigentums. Der Adel verlor das Privileg seines Geburtsrechts. Das Recht, für die entscheidenden Staatsfunktionen gewählt zu werden, war abhängig vom Landbesitz. Die Folge war, dass Kaufleute sich als Landbesitzer etablierten.

Solon hat den Versuch unternommen, ein Gleichgewicht zwischen den widerstreitenden Kräften herzustellen. Da aber die Entwicklung von Handel und Produktion die wirklichen Machtverhältnisse änderte, wurden die Kämpfe nur modifiziert. Mit der durch demokratische Unterstützung eroberten Diktatur bzw. Tyrannis des Peisistratos gewannen die Kaufleute größere Macht. Die Güter verbannter Adelsfamilien dienten dazu, den dringendsten Landbedarf der Bauern zu befriedigen. Man ging in Athen zu großzügig geplanten öffentlichen Bauten über, mit denen sich ein städtisches Aussehen ergab.

Die offizielle Einführung des Dionysus-Kults als Gegengewicht gegen die von den aristokratischen Familien beherrschten Kulte der olympischen Götter brachte einer volkstümlichen, bäuerlich-demokratisch bestimmten Religion Staatsfunktion. Wir haben hier ein Beispiel einer zielstrebigen staatlich-politisch kalkulierenden Kulturpolitik. Aus dem Dionysos-Kult als umfunktionierter Religion der Unterdrückten und Bauern, als zugleich umfunktioniertem Stammeskult, erwuchsen dann Tragödie und Komödie.

Die Tyrannis hatte zu einer erheblichen Schwächung der Macht des Adels geführt. Sie forcierte hingegen die Kräfte des Mittelstandes. Am Ende des Jahrhunderts wurde die politische Umwälzung in der Revolution des Kleisthenes beendet.

Entscheidend ist hier die endgültige Auflösung der Stammesorganisation. Bislang war das Bürgerrecht an die Mitgliedschaft in den Phratrien gebunden. Das hatte zur Folge, dass wesentlich die Sippenzugehörigkeit der alten Anwohner bestimmend war. Davon ausgenommen waren weitgehend die in Athen zusammengekommenen Handwerker und Kaufleute. Trotz aller Kämpfe dominierte in den Phratrien der alte oligarchische Adel dank seiner Eigentumsüberlegenheit, seiner kultischen Funktionen und Traditionsbindungen.

Als ein Repräsentant demokratischer Macht organisierte Kleisthenes das Wahlsystem neu. Grundeinheit wurde der Demos als Wohneinheit, genauer Gebietseinheit, mit wählbarem Vorsteher und Funktionen. Die Mitgliedschaft zu einem Demos vermittelte das athenische Bürgerrecht. Die Demen wurden, analog den alten Phratrien, in Bezirke eingeteilt. Aus der stammesmäßigen korporativen Einheit war nun allerdings eine geographische geworden.

Die Verteilung der insgesamt 139 Demen und ihrer Bezirke geschah so, dass diese wiederum Quasistämme bildeten. In ihnen war der städtische Anteil so stark verankert, dass ein automatisches Übergewicht über das Land gesichert war.

Die Wählbarkeit für die Ämter des Stadtstaates war zunächst an einen bestimmten Besitz- und Einkommensstand gebunden, doch ein halbes Jahrhundert später wurde auch dies beseitigt. So schien die ursprüngliche Gleichheit der Gentilgenossen der Form nach auf politischer Ebene wieder hergestellt. Aber sie war in Inhalt und Funktion völlig verändert. Die alte Stammesorganisation war nun aufgelöst, womit die vielen traditionsbefrachteten persönlich-verwandtschaftlichen Bindungen entfielen. Auch die mutterrechtlichen Traditionen waren beseitigt. Was blieb übrig? Der Eigentümer! Ausgeschlossen waren Frauen, Sklaven und Nichtbürger.

Diese neue staatliche Organisation war darauf gerichtet, das Eigentum und die Sklavenhaltung zu sichern. Unter den bestehenden Bedingungen stärkte sie insbesondere die Macht der größten Eigentümer und Sklavenhalter. Die alte Gentilgesellschaft war hingegen nicht imstande gewesen, der Gewalt des Eigentums, den daraus entstehenden Klassengegensätzen und ‑kämpfen eine Form, in der die Gesellschaft funktionieren konnte, zu geben.

Dies tat die Polisdemokratie. Sie setzte den Freien als Eigentümer und entband die Logik dieses Eigentums, das fortan die Beziehungen und das Verhalten der Menschen beherrschte. Sie entfesselte die allgemeine Durchsetzung der Sklavenarbeit. Und diese wiederum entwertete die Arbeit der Freien. Das entstehende Proletariat der freien Eigentumslosen wurde – im Gegensatz zum modernen Proletariat – zu einem Proletariat auf Kosten der Gesellschaft. Und die Freiheit der Freien nährte sich von der absoluten Unfreiheit der Sklaven.

Die Quelle des Bezugs an Sklaven waren Handel und Krieg. Die Tragödie der athenischen Demokratie besteht darin, dass deren Expansion nicht durch die Produktivität der Freien, sondern durch die athenischer Macht sowie Sklavenarbeit möglich wurde. Es bedurfte also des Sklavenimports. Entsprechend war der Krieg ein ökonomisches Bedürfnis.

Die politische Aktivität des Athener Bürgers wurde zur staatlich bezahlten Betätigung, während die Arbeit als Sklaventätigkeit generell abgewertet war. Dies ist eine Tendenz, die sich allerdings erst in den folgenden Jahrhunderten auswirkte. Wir halten aber fest: Das 6. und 5. Jahrhundert setzten die Sklaverei als Produktionsgrundlage durch.

In George Thomsons „Die ersten Philosophen” finden wir eine gute, gedrängte Darstellung: „Die erste griechische Stadt, in der Vollsklaven beschäftigt wurden, war Chios, wo es während des ganzen Altertums einen Sklavenmarkt gab, und es ist beachtenswert, daß die Verfassung dieser Insel schon um 600 v. u. Z. demokratisch war. Um die gleiche Zeit sandte Periandros, der Tyrann von Korinth, dreihundert junge Männer von Kerkyra, einer korinthischen Kolonie, nach Sardeis, wo sie entmannt werden und als Eunuchen dienen sollten… Einer der Anreize, die den Persern zur Unterjochung von Naxos geboten wurden, das damals eine demokratische Verfassung hatte, bestand in dem Hinweis, daß die Insel eine große Sklavenbevölkerung habe. Als die Perser Ionien eroberten, segelten die Bürger von Samos nach Sizilien, wo sie die griechische Stadt Zankle in Besitz nahmen. Sie unternahmen diesen Handstreich mit Unterstützung des Hippokrates, des Tyrannen von Gela, der als Lohn für seinen Beistand die Hälfte der Sklavenbevölkerung mitsamt der Mehrheit der Bürger für die Arbeit als Kettensträflinge erhielt. Als die Perser in Griechenland eindrangen, hatten sie den Befehl, die Einwohner Eretrias und Athens zu versklaven und nach Susa zu schaffen. Was die Eretrier anging, die schließlich in der Nähe der persischen Hauptstadt angesiedelt wurden, hatten sie den Befehl ausführen können… In der Verfolgung ihres Sieges über Persien nahmen die Athener Eion in Thrakien ein und verkauften die Einwohner in die Sklaverei. Dann segelten sie nach Skyros, versklavten die Einwohner und ersetzten sie durch Ansiedler aus Athen. Inzwischen hatte Gelon, der Tyrann von Syrakus, das einfache Volk von Megara Hyblaia und Euboia, zwei griechischen Kolonien auf Sizilien, verschleppt und in die Fremde verkauft.”6) Und so weiter.

In diesem Stile könnte ich endlos zitieren. Die Passage zeigt, dass der freie Polisbürger nur in der eigenen Stadt seine Freiheit bewahren konnte. Für den Freien der anderen war er zumindest potenziell Sklave, wie auch umgekehrt. Der Mensch war also Ware; er war instrumentum vocale.

Griechenland hat zweifellos Vorbilder eines schönen und freien Menschentums gedacht und bildnerisch gestaltet. Aber wir dürfen nicht vergessen, dass griechische Idealität, wie sie in den herrlichen Jünglingsgestalten plastisch geworden, nicht durch Züge physischer Arbeit belastet ist. Dass die erstrebte Einheit des Schönen und Guten eine Einheit war, die der Bedienung durch Sklaven bedurfte. Und dass die wirklichen Motive des Handelns – des ökonomischen wie des politischen, des Einzelnen wie auch der Polis – nicht identisch mit den Idealen waren, sondern sehr handfester Natur gewesen sind.

Wir wollen die Geschichte nicht sentimental, aber auch nicht kritiklos sehen. Hätte der Mensch nicht den Menschen ausgebeutet, wäre kein Fortschritt der Arbeitsproduktivität möglich gewesen. Engels fasst dies so zusammen: „Mit dieser Grundverfassung hat die Zivilisation Dinge vollbracht, denen die alte Gentilgesellschaft nicht im Entferntesten gewachsen war. Aber sie hat sie vollbracht, indem sie die schmutzigsten Triebe und Leidenschaften der Menschen in Bewegung setzte und auf Kosten seiner ganzen übrigen Anlagen entwickelte. Die platte Habgier war die treibende Seele der Zivilisation von ihrem ersten Tage an bis heute, Reichtum und abermals Reichtum und zum drittenmal Reichtum, Reichtum nicht der Gesellschaft, sondern dieses einzelnen lumpigen Individuums, ihr einzig entscheidendes Ziel. Wenn ihr dabei die steigende Entwicklung der Wissenschaft und zu wiederholten Perioden die höchste Blüte der Kunst in den Schoß gefallen ist, so doch nur, weil ohne diese die volle Reichtumserrungenschaft unsrer Zeit nicht möglich geworden wäre. Da die Grundlage der Zivilisation die Ausbeutung einer Klasse durch eine andre Klasse ist, so bewegt sich ihre ganze Entwicklung in einem fortdauernden Widerspruch. Jeder Fortschritt der Produktion ist gleichzeitig ein Rückschritt in der Lage der unterdrückten Klasse… jede neue Befreiung der einen Klasse eine neue Unterdrückung für eine andre Klasse.”7)

„Zivilisation” – das ist für Engels wesentlich die auf Privateigentum und Warenproduktion beruhende Klassengesellschaft. Diese wird von der auf gesellschaftlichem Eigentum begründeten kommunistischen Formation abgelöst.

„Zivilisation” ist eine Kulturstufe im Sprachgebrauch von Engels. Wir haben einen aus der deutschen Geschichte stammenden Sprachgebrauch, der falsch und idealistisch ist, weil er Kultur und Zivilisation einander gegenüberstellt. Kultur betreffe demnach das Innere, die Seele, Zivilisation hingegen das Technisch-Äußere.

Der Sache nach besagen beide Begriffe ursprünglich Analoges: Zivilisation bezieht sich dabei auf die städtische Lebensweise – civis, der Bürger, – während Kultur zunächst cultura agri ist, die Pflege des Bodens, im Unterschied zur Natur. Der Gegensatz zwischen diesen Bestimmungen entstand durch die besonderen Verhältnisse im 18. Jahrhundert. Höfische Kultur in Deutschland bezeichnete sich da nach französischem Vorbild als Zivilisation. Und dagegen setzte der deutsche Bürger seine Kultur, seine bürgerliche Kultur. Da die Welt der Höfe reich und mächtig, das Bürgertum noch machtlos und ziemlich arm war, bezog sich diese bürgerliche Kultur auf geistige Kultur, während die höfische Zivilisation den ganzen äußeren Reichtum miteinbezog. Daraus entstand dann – was ursprünglich einen echten Klassengegensatz einschloss – die unsinnige Gegenüberstellung von Seelenkultur und Zivilisation, also quasi von Wasserleitung und Auto, mit dem Anspruch einer höheren Weihe der Seele. Das wiederum wurde in der deutschen bürgerlichen Ideologie so umgewertet, dass diese höhere Weihe der Seele politische Machtansprüche über seelenlose Zivilisationen – so Frankreichs – begründen sollte. []

[nach einigen fehlenden Seiten; in Charakterisierung der Angehörigen einer bestimmten sozialen Klasse] …die zum zweiten nicht innerhalb des Produktionsprozesses verbraucht wurden, die drittens zum materiellen Produktionsprozess eine solche Beziehung hatten, dass sie ein aktives Interesse daran nahmen, selbst noch produktive Funktionen auszuüben verstanden, zugleich dennoch jenseits standen.

Eine solche Klasse waren die im 6. und 5. Jahrhundert aufsteigenden handeltreibenden und industriellen Handwerker, ergänzt durch fortschrittliche, selbst an Handel und Produktion beteiligte Kräfte aus dem alten Adel. Und zwar war eigentlich nur eine Epoche dafür möglich [für die Entwicklung einer materialistischen philosophischen Konzeption], jene, in der diese Klasse bzw. ihre geistig-konzeptionell produktiven Mitglieder selbst noch aktive Produktionsinteressen hatten und die Arbeit noch nicht zur reinen, verachteten Sklavenarbeit geworden war. Als sich die Sklaverei universell durchgesetzt hatte, wurde Arbeit abgewertet und die Frage nach dem Stofflichen erschien als dem Geiste unwert und unfein. Darum kam der antike Materialismus im Prinzip nie über Demokrits großen Entwurf hinaus.

[gestrichen:] Aus dieser Klasse kommen und für diese Klasse denken die Spezialisten der Theorie – und ihr Materialismus entspricht und entspringt einer Phase, als die Abwertung der Arbeit noch nicht universell geworden war. Hatten die Leiter der großen Bewässerungs-, Tempel- und Kanalbauten der Bronzezeit für eine solche neue Denkweise kein Interesse und keine Möglichkeit, so hatten die in der Eisenzeit dank höherer Produktivität zahlreicheren intellektuell Spezialisierten in einer Phase der Nähe zur Produktion, zu Beginn der auf der Grundlage der Warenproduktion entwickelten Sklaverei – wobei sie durchaus auch mit gesellschaftlichen Konstruktionsaufgaben betraut waren -, eine solche Möglichkeit.

Was leistet diese Betrachtung? Wir finden eine soziale Grundlage und damit verbunden eine Gruppe von Menschen, welche das Interesse und die Möglichkeit hatte, in der Produktion gesammelte Erfahrungen zu vertiefen und zu verallgemeinern. Eine Gruppe, die nicht dadurch geistig gefesselt war, dass ihre ökonomische Existenz identisch mit der Zelebrierung des Kultes und seiner mythologischen Begründung gewesen ist. Eine Gruppe, die Kraft und Muße hatte, sich theoretischer Betrachtung zu widmen.

Wir sahen zugleich, dass es nicht abstrakt um die Trennung von Hand- und Kopfarbeit dabei gehen kann, sondern dass diese immer schon im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Kontexten zu bestimmen ist – wie bei der Rolle des Tempelpriestertums, dessen Herrschaft die Griechen nicht kennengelernt haben (und damit auch keine staatliche Dogmatisierung der Götterlehren) oder wie bei der Entwicklung der Sklaverei. Im vierten Jahrhundert ist die Chance des ursprünglichen Materialismus vorbei. Die Arbeit ist entwertet. Die Isolierung der Ideologen von der Produktionssphäre nimmt zu. Nun werden die idealistischen philosophischen Konzeptionen ausgearbeitet.

Soweit. Was vermag die bisherige Untersuchung noch nicht zu leisten? Aus dem Dargelegten lässt sich wohl wesentlich erklären, dass ein Übergang zu theoretischer wissenschaftlicher Betrachtung erfolgen konnte, aber noch nicht hinreichend, warum dieser zur weltanschaulichen Verallgemeinerung führte. Warum die Götter als Erklärungsgründe weggeschoben wurden. Wir müssen also nach weiteren Bedingungen des weltanschaulichen Denkens und nach weiteren Quellen der Erfahrung fragen. –

Bevor ich da fortsetze, noch zu einigen Konsequenzen des Verhältnisses von Hand‑ und Kopfarbeit in den Künsten.Hier zeichnen sich bedeutsame Unterschiede ab: Bildende Künste gelten weitgehend als Handarbeit ungeistigen, banausischen Charakters; Poesie hingegen wird als geistiges Schöpfertum anerkannt. Letztere erwächst bei ihrer – wenn auch keineswegs unumstrittenen – Hochwertung aus der kultischen Funktion, während der bildende Künstler – von der Ausnahme etwa des bronzezeitlichen Sagenhelden Dädalus und seinen technischen Wundern abgesehen – als Kunsthandwerker zum Schmücken der Königsburgen in den homerischen Epen erscheint; ein wandernder Außenseiter, wie allgemein wohl die Handwerker homerischer Zeit und meist orientalischer Abstammung. Bildende Künstler wandern; sie besitzen bestenfalls einige Werkzeuge. Sie verkaufen ihre Arbeitskraft zuerst dem mykenischen Königtum, dann den adligen Häusern, später an die Stadtstaaten und religiösen Verbände. Sie werden als sozial niedrigstehend eingeschätzt, sind und bleiben auch in klassischer Zeit ökonomisch unselbständig und weitgehend zu Ortswechseln, je nach entsprechenden Auftragsmöglichkeiten, gezwungen. Selten sind sie freie Bürger einer Stadt, leben daher halb entrechtet.

Mit anderen Worten: Die gesellschaftliche Wertung von Hand- und Kopfarbeit bewirkte, dass die bildende Kunst in der Phase der Adelsherrschaft, bei Herausbildung der Sklaverei und der daraus resultierenden neuartigen Ächtung materieller Arbeit, indem sie sichtbare Formen, Gestalten, Räume bildet, als handwerklich-banausische Tätigkeit und subjektiven Charakters gering bewertet wurde (was nicht für das Werk gilt) und dementsprechend nur niedrige Entlohnung fand.

Zu Zeiten der Polis lebten Künstler dann wesentlich von den Aufträgen der Polis. Dabei wurden sie, da die großen Bauaufgaben von ständigem Kapitalmangel begleitet waren, kalt als Warenlieferanten behandelt. Private Kunstproduktion und ‑konsumtion setzte erheblich später, nämlich erst mit der Auflösung der Polis ein.

Allerdings schrieb noch Plutarch: „Häufig erfreuen wir uns am Werk, verachten aber seinen Demiurgen.” [Zitierquelle??] Als Verkäufer seiner Arbeitskraft blieb der Künstler auf den Staat, auf dessen wechselnde Konstellationen, finanzielle Umstände etc. angewiesen. Auch als die römischen Herren später zu Auftraggebern der meist griechischen Künstler wurden, hat sich – trotz der großen repräsentativen Funktion der bildenden Künste – an der Lage der Künstler als sozialer Gruppe, die sich aus meist Fremden, Freigelassenen und Sklaven rekrutierte, nichts geändert.

Was sich geändert hat, ist zum einen die Bevorzugung einiger besonders berühmter Virtuosen und zum anderen die höhere Bewertung der bildenden Künste in bestimmten intellektuellen Kreisen. Das führte dann dazu, dass das geistig-schöpferische Moment in der Malerei allmählich anerkannt wurde.

Diese gegenläufigen späteren Tendenzen in der Einschätzung bildender Kunst heben aber nicht deren grundlegende soziale Abwertung auf, die noch das ganze Mittelalter weitergeführt wurde und erst im Entwicklungsprozess der bürgerlichen Gesellschaft verschwand. Hier begann das spezifisch Künstlerische der bildenden Kunst seine soziale Anerkennung zu finden. – In dieser Aufwertung finden wir allerdings noch ein Ergebnis der Monopolisierung der gedanklichen und leitenden Tätigkeit durch die herrschende Klasse, der grundsätzlichen Abwertung physischer zugunsten geistiger Tätigkeit. Ihre tiefste Begründung besitzt diese Geringschätzung im Stigma des Unfreien. Geistige Betätigung, Theorie erscheinen nur als des Freien würdig.

[gestrichen:] 2. Da liegt zunächst auf der Hand zu fragen nach Erkenntnissen, die Kaufleuten aus ihrer Tätigkeit zuwachsen. Und da ist die Frage des durch den Handel erschlossenen Erfahrungshorizonts besonders wichtig.

Anmerkungen:
1*) Aristoteles, Metaphysik (1960), 23f. (983b 6)
2) Karl Marx, Ökonomisch-philosophische Manuskripte. In: Marx-Engels-Werke, 1. Ergänzungsband, S. 516
3) Homer, Odyssee; Übers. Thassilo von Scheffer (1938), S. 327 (19. Gesang, Vs. 172ff.)
4) Friedrich Engels, Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staats. In: Marx-Engels-Werke, Bd. 21 (1973), S. 110f.
5) ebd, S. 164
6) George Thomson, Die ersten Philosophen (1980), S. 162f.
7) Friedrich Engels, a. a. O., S. 171

Findnummer: I-3.2.2.1.1.2.2./1 (d)